Der Freischütz Dienstag,14.Dezember 2010
Traditionelle Männerchorlieder mit weiblich-ironischen Zwischentönen
Die Lesung von Franziskus Abgottspon in Waltenschwil war erfrischend anders
Von Bettina Leemann
Die GalerleArteNa inWaltenischwjl lud am vergangenen Donnerstagabend zu einer öffentlichen Hauptprobe. Geboten wurde das neueste Programm «Was Mannerchöre so sangen ...» von Franziskus Abgottspon, begleitet durch Christian Hostettler auf dem Liuto forte und durch Liz Sutter mit weiblichen Zwischentönen. Dabei wurde ein überaus abwechslungsreiches und heiteres Programm geboten, das bei den zahlreich erschienen Zuhörerinnen und Zuhörern auf viel Begeisterung stiess.
Gelesen statt gesungen
«Was Männerchöre so sangen ...» unter diesem Titel konnte man sich am vergangenen Donnerstagabend in das traditionelle Liedgut der Mannerchöre einführen lassen. Frariziskus Abgottspon hat in seinem neuesten Programm diese traditionellen Lieder, die auch heute noch gerne am Radio gewünscht und an Konzerten gesungen werden, zu einem ganz eigenen Programm zusammengestellt. Abgottspon sang natürlich nicht, sondern er las die zahlreichen Strophen der bekannten Lieder. Dabei wurde er aber auch musikalisch begleitet. Christian Hostettler veratand es vorzüglich, auf dein Liuto forte - einem Mittelding zwischen Laute und Gitarre - die bekannten Melodien auf seine Art wiederzugeben und ilmen ein neues Gesicht zu verpassen.
Ausserdem fehlte bei diesem männerlastigen Programm auch die weibliche Seite nicht. Liz Sutter kommentierte die rezitierten Lieder von Agottspon mit viel Witz, Humor und Ironie, sodass die Lesung für die Anwesenden zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde. Geboten wurden an dem Abend nicht nur typisch schweizerische Lieder wie «Es lebt in jeder Schweizerbrust» oder «Hab oft im Kreise der Lieben», sondern auch eine Reihe von Vertonungen von Eichendorff-Gedichten, etwa «Wer hat dich du schöner Wald» oder «In einem kühlen Grunde». Obwohl die Lieder an dem Abend ja ganz bewusst nicht gesungen wurden, bekam das Publikum trotzdem einen Eindruck von den bekannten Melodien, denn Christian Hostettler gab sie alle auf seiner besonderen Laute wieder. Damit waren die Melodien nicht zu laut, aber auch nicht zu leise, und sie verliehen den meisterhaft vorgetragenen Worten von Abgottspon zusätzlichen Nachdruck. Es war das reinste Hörvergnügen, das da den Zuhörerinnen und Zuhörern geboten wurde.
Ein paar Überlegungen zum Vaterland der Frauen
Eine überaus interessante und witzige Komponente bildeten die Zwischentöne von Liz Suiten Die Frau in dem Pmgramm liess nicht nur die weibliche Seite und Sicht der Dinge aufleben, sondem sie kommentierte die Strophen der Lieder auch immer mit einem ironischen Unterton, der beim Publikum ebenfalls gerne gehört wurde. So gab sie zu bedenken, dass der «schöne Wald» längst nicht mehr so schön ist, wie in dem Lied besungen, sondern dahingerafft wurde von «Lothar» und Borkenkäfern, dass er teilweise zu Monokulturen herangezüchtet wurde und - in den Bergregionen als Schutzwall ge gen Lawinen dienen muss.
Auch zu den patriotischen Liedern hatte sie bissige Kommentare auf Lager. So erfuhr man, dass die Frau von Winkelried ziemlich einsam dastand ohne ihren Mann, der sich für die Eidgenossenschaft geopfert hatte. Denn das liebe Vaterland griff der Witwe nicht unter stützend unter die Arme, weil es damals noch keine Witwenrente gab. Mit diesen unkonventionellen Reflexionen über die Inhalte der Lieder bekam das Programm einen ganz eigenen Charakter, der beim Publikum auf viel Begeisterung stiess. Die öffentlichen Hauptproben inder Galerie ArteNa haben sich inzwischen zu einem Geheinitipp entwickelt. So wird man sich auch in Zukunft auf spannende Aufführungen freuen dürfen. Bereits im März 2011 ist die Hauptprobe eines weiteren Programms mit Wort und Musik in Waltenschwil geplant.
