
«Der Herr aus San Francisco»
Ein Schauhörspiel mit Venus Madrid (Sprecher) & Christian Hostettler (Gitarre, Liuto forte und Sounds)
nach der gleichnamigen Erzählung von Ivan Bunin
Christian Hostettler
Musik
Venus Madrid
Schauspiel
Burkhardt Jahn
Regie
«Eine Erzählung, die an moralischer Wucht und aufwandloser Plastizität einigen stärksten Dingen von Tolstoi ... an die Seite zu stellen ist.» (Thomas Mann über «Ein Herr aus San Francisco»)
Handlung
Ein Herr aus San Francisco kommt nach Europa. Er ist der Prototyp des reichen Mannes aus Amerika oder des Kapitalisten im frühen 20. Jahrhundert. Die zweijährige Reise, die der namenlos bleibende Protagonist mit Frau und Tochter auf einem Luxusschiff antritt und welche den Überfluss der herrschenden Klasse der Belle Epoque symbolisiert, wird zu seiner Reise in den Tod.
Die Rückfahrt nach Amerika verbringt der Multimillionär nun nicht mehr in einem der hell erleuchteten Prachtsäle des Schiffes, sondern tief im Bauch des Maschinenraumes als Leichnam in einer Holzkiste. Die Hohlheit und Bedeutungslosigkeit des luxuriösen Lebens angesichts der Sterblichkeit des Menschen hat damit den reichen Herrn aus San Francisco endgültig erreicht.
Musik, Geräuschkulisse und Komposition
Die akustische Kulisse (Geräusche und Begleitmusik) wie auch die diversen solistischen Zwischenmusiken sind ein Livemix aus Geräuschen aus dem Fundus von Cyrill Schläpfers Dampfschiffsymphonie und instrumentaler Musik, im wesentlichen neapolitanischer Herkunft. Letztere erklingt in der Originalform, in Christian Hostettlers Bearbeitungen und in Improvisationen über einzelne Themen und Motive.
Das Instrumentarium für die Livemusik besteht aus einer sechssaitigen spanischen Konzertgitarre und einem vierzehnsaitigen Liuto forte in e. Die Geräusche werden mit einer Geräuschorgel – einem Midikeyboard mit Geräuschen und instrumentalen Samples einer Bibliothek der Wiender Symphoniker – eingespielt.
Der Liuto forte ist ein mit dem renommierten «Prix européenne pour l’innovation des instruments de musique» ausgezeichnetes Instrument. Er strahlt sowohl die Noblesse und Brillanz des Lautenklanges als auch die Wärme und den Soustain der spanischen Gitarre aus. Diese Charakteristik verbindet auf klanglicher Ebene die Luxuswelt des Herrn aus San Francisco mit dem südländischen Flair seines Reiseziels.
Die einzelnen musikalischen Themen, ihre improvisatorische Verarbeitung und ihre Unterstützung durch maritime Geräusche, Klänge und Rhythmen stehen in direktem Zusammenhang mit dem erzählten Text. So erschient das Leitthema im Laufe der Reise kontextabhängig in verschiedensten Variationen, etwa als mit Schiffsmaschinenrhythmen unterlegte Salonmusik zur Dinerszene, als ekstatischer Tanz im Hinblick auf das Abenteuer mit der Tarantellea oder als mit Hafengeräuschen angereicherter Marche funèbre bei der Abfahrt.
Künstlerische Umsetzung
Innerhalb der scheinbar objektiven Schilderung von Schönheit und Überfluss etabliert Bunin meisterhaft drohende Elemente des Untergangs, ohne dass dies forciert oder manieriert erscheint. Schnee, Kälte und Sturm werden dem Luxusschiff nichts anhaben, erreichen nicht die Sphäre der üppigen Teppiche, der Messingbeschläge der Treppengeländer und der Kristallleuchter. Und doch hören wir das Heulen der geheimnisvollen Sirene. Die Evokation dieser materiellen luxuriösen und gleichsam mystisch bedrohlichen Atmosphäre mit stimmlichen, musikalischen und szenischen Mittel ist unser Ziel.
Dafür haben der Sprecher und Schauspieler Venus Madrid und der Regisseur Burkhard Jahn eine Interpretation des Textes erarbeitet, die über eine reine Lesung weit hinausgeht: Durch Jahns Regiearbeit, Madrids schauspielerisches und stimmliches Können, durch einzelne dialogisierte Sequenzen, der kompositorischen Umsetzung Christian Hostettlers wird die Erzählung auf der Bühne zu einem szenischen, visuellen und akustischen Ereignis.
Im Theatererlebnis eines SchauHörSpiels sehen wir die reizvolle und angemessene Möglichkeit, das Publikum mit einem bedeutenden Text der Weltliteratur zu konfrontieren. Ausgangspunkt ist dabei die der Erzählung immanente Dramaturgie. So ist einmal nicht angestrebt, aus der Zersplitterung eines Textes neue Erkenntnisse im Sinne des Dekonstruktivismus zu gewinnen. Vielmehr setzt die Kreativität des Projektes bei der Suche nach neuen Wegen der Literaturvermittlung an.
Spielorte
Wir bieten dieses literarische Theatererlebnis verschiedenen Spielorten als musikalisches SchauHörspiel an. Der beanspruchte Bühnenraum ist klein, unser Darstellungskonzept halten wir bewusst flexibel.
Die Produktion lässt sich somit in jedem für Konzerte gedachten Raum, im Festsaal eines Dampfschiffes beispielsweise, im Foyer eines Museums, aber auch auf einer konventionellen Bühne, in einer Bar oder in einer Buchhandlung darbieten.
Venus Madrid, Schauspieler und Sprecher
1964 in der Schweiz geboren, in Zürich aufgewachsen. Gestalterische Berufsmittelschule der StadtZürich. Schauspielausbildung in Zürich. Seit über 15 Jahren Engagements als Schauspieler und Sprecher in der Schweiz und Deutschland. Seit über sechs Jahren Arbeit als Kommentarsprecher für3SAT und SF DRS. Seit 1988 Sprecher von Hörbüchern in der SBS in Zürich.
Burkhard Jahn, Regisseur
1948 in Hildesheim geboren. Schauspielausbildung und Universitätsstudium in Hamburg. DiverseEngagements, seit 1977 auch als Regisseur und Theaterleiter. Letzte Regiearbeit in der Schweiz wardie Uraufführung der Oper "La machine rêve" im Tinguely-Museum Basel (2004). In Deutschland, der Schweiz und Österreich tätig als Regisseur, Schauspieler und Sprecher für das SchweizerFernsehen, für 3SAT und deutsche TV-Sender.
Aufführungen «Der Herr aus San Francisco»
- 09.04.2009 WEGGIS Forum Weggis
- 08.01.2010 | 19.30 WALTENSCHWIL arteNA
- 18.08.2010 | 19.30 ZERMATT
- 19.08.2010 | 19.30 ZERMATT
